Kennen Sie auch jemanden, der jemanden kennt?

Natürlich. Wir alle kennen Menschen, die von den verschiedensten Themen schon einmal etwas gehört haben. Sie wissen von anderen, die dies oder jenes schon einmal gemacht haben oder, noch besser, vielleicht machen könnten. Fatal wird es dann, wenn Unternehmen ihre Entscheidungen aus dieser Art des real existierenden Hörensagens ableiten.

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Sie halten es für unglaubwürdig, dass seriöse Firmen so etwas tun? Mitnichten. Im Bereich der digitalen Medien gibt es immer wieder kleine und mittelständische Unternehmen, die großen Fehleinschätzungen unterliegen.

 

Dienstagmorgen, 9:22 Uhr - das Telefon klingelt

Der Anrufer grüßt und stellt sich höflich vor. Es ist der Chef eines Ausbildungsbetriebs mit elf Angestellten. Er erkundigt sich, ob er den richtigen Ansprechpartner an der Strippe hat - es gehe ums Internet. Dann fragt er, was ihn eine Internetseite für seine Firma kosten würde. Damit hat er es geschafft, sein Gegenüber gleich zweimal zu verblüffen. Ein Unternehmen dieser Größenordnung, das noch keinen Internetauftritt unterhält? Sollte es so etwas in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts tatsächlich noch geben? Es gibt. Und dann die Frage der Fragen, die freilich jeden Kaufmann interessiert. Einem Autoverkäufer würde man sie so trotzdem nie stellen, weil die Sensibilität für das Thema eine andere ist: Was kostet ein Auto? Pardon. Was kostet eine Internetseite?

Der Gefragte übergeht seine begrenzte Überraschung - mal wieder - schließlich kommt ihm die Fragestellung nicht zum ersten Mal unter. Er antwortet ruhig und sachlich und so konkret wie eben möglich.

"Was?" Nun ist es der Anrufer, der scheinbar verblüfft ist. "Zu teuer", kommt es schroff durch die Leitung und nach kurzer Pause dann doch noch etwas ausführlicher. "Da brauchen wir erst gar keinen Termin zu machen. Ich kenne jemanden, der bastelt mir so eine Seite für 500 Euro, und der studiert sowas. Na gut, ich dachte, ich frage halt mal bei jemandem, der sowas professionell macht. Sie machen so etwas doch, nicht wahr? Professionell meine ich?" Der Mediengestalter nickt für sich und bestätigt mit einem "Ja" für seinen Gesprächspartner am Telefon. "Nee, gut, dann weiß ich Bescheid", entgegnet der Geschäftsführer, "ich überlege mir das nochmal."

Um 9:25 Uhr ist das Gespräch beendet.

Mediendesign gibt's nicht zum Spartarif.

Es wäre eine Zier für die soeben angerufene Agentur, wenn sie in den nächsten Wochen und Monaten immer einmal wieder nach dem Internetauftritt des Unternehmens suchen würde, den sie hätte verwirklichen sollen, wenn sie nicht "zu teuer" gewesen wäre. Die Resultate ähneln sich meist; entweder gibt es gar keins oder der Rechercheur findet tatsächlich eine einmalige Adresse im World Wide Web, unter der sich miese und beliebige Inhalte in wenig durchdachten und fehlerhaften Strukturen und hinter einer grauenvollen Fassade verbergen. Ein Lead wird deshalb aus dem Kontakt nimmermehr. Dem einstigen Anrufer, dem die Website nun gehört, wird im Nachgang erstrecht sehr schwer zu vermitteln sein, dass er die 500 Euro - nun in der Tasche eines Studenten mit Halbwissen - für etwas ausgegeben hat, das für jeden Wirtschaftsbetrieb einer Katastrophe gleichkommt: Abschreckung!

 

Wie bei allen wichtigen Entscheidungen, die Sie für Ihr Unternehmen treffen, müssen Sie sich auch bei Ihrer Internetpräsenz sehr genau überlegen, was Sie möchten. Fast jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der so etwas vielleicht schon einmal gemacht hat. Aber ist das die richtige Fährte? Möchten Sie irgendjemandem unternehmenskritische Angelegenheiten überlassen? Die Antwort schreit uns fast ins Gesicht, und sie ist auf alle nachfolgenden Fragen immer wieder dieselbe:

Würden Sie Ihre Marketingstrategie von jemandem ausrichten lassen, der so etwas vielleicht schon einmal gemacht hat?

Würden Sie das Einstellungsgespräch für die neu zu besetzende Stelle von jemandem führen lassen, der so etwas vielleicht schon einmal gemacht hat?

Würden Sie den Dialog mit wichtigen Kunden jemandem überlassen, der so etwas vielleicht schon einmal gemacht hat?

 

Der Internetauftritt Ihres Unternehmens gehört zum Unternehmen wie die Dienstleistungen und Produkte, die es anbietet. Er gehört zum Unternehmen wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die es sach- und fachkundig vertreten. Auch beim Internetauftritt führt kein Weg an Fachwissen und Qualität vorbei. Alles andere ist und bleibt Unsinn.

Informationen zum Autor
Autor: Andreas Gaß
Der Autor arbeitete 13 Jahre als freier Journalist für verschiedene Tageszeitungen. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Geschichte an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Seit 1997 war Gaß, zum Teil selbstständig, für mehrere Unternehmen im digitalen Marketing tätig. Er ist Geschäftsführer der CID Media.

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